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Arbeit an Glaubenssätzen

Glaubenssätze sind innere Leitsätze, mit denen wir durchs Leben gehen. Sie sind Überzeugungen über uns selbst und unsere Umwelt und spiegeln die individuellen Wahrheiten eines Menschen wider.

In der Regel hinterfragen wir unsere Glaubensmuster nicht, sondern leben unbewusst danach. Die eigenen Glaubenssätze zu erkennen, zu hinterfragen und ggf. zu verändern kann herausfordernd und bereichernd zugleich sein.

Wir stellen unsere Gedanken und Impulse zum Thema Glaubenssätze und unsere Arbeit mit (unbewussten) Denkmustern im Coaching vor. 

Unsere Infografik zum Download gibt es HIER.

 

Glaubenssätze – Was bedeutet das?

Glaubenssätze sind meist unbewusste Denkmuster, die uns in einem komplexen Umfeld Halt und Orientierung geben. Sie sind Generalisierungen persönlicher Erfahrungen oder übernommener Denkmuster, die ihren Ursprung in unterschiedlichen Lebensbereichen haben können. So entwickeln Menschen beispielsweise Glaubenssätze über: 

-       Ursachen: „Durch Arbeit wächst meine Anerkennung.“

-       Bedeutung: „Geld haben bedeutet angesehen zu sein.“

-       Identität: „Erst durch eine Partnerschaft bin ich ein ganzer Mensch.“

-       Sich selbst: „Ich bin musikalisch unterbelichtet.“

-       Mitmenschen: „Andere kümmern sich vor allem um ihren Vorteil.“

-       Die Welt: „Das Leben ist hart und ungerecht.“

 

Glaubenssätze können sinnvoll und hilfreich sein. In unserem täglichen Handeln helfen sie uns, die Fülle an Informationen sinnvoll zu ordnen und angemessen darauf zu reagieren. So genannte antreibende oder positive Glaubenssätze helfen Menschen dabei, ihre Wünsche Realität werden zu lassen und ihre Ziele zu erreichen (z.B. „Ich erreiche, was ich mir vornehme“).  

Auf der anderen Seite können Glaubenssätze der Erreichung unserer Ziele auch im Weg stehen. So genannte einschränkende Glaubenssätze hindern Menschen daran, ihre Wünsche auszuleben und ihre Ziele langfristig zu verfolgen (z.B.: „Das werde ich nie lernen“).

 

Entstehungsgeschichte - Woher kommen unsere Glaubenssätze?

Im Wesentlichen entstehen innere Leitsätze aus zwei Quellen:

-       Häufig werden Glaubenssätze von Eltern, Lehrern oder anderen Bezugspersonen mit auf den Weg gegeben (z.B. „Sei immer schön ordentlich!“, „Hier wird einem nichts geschenkt!“). Dies können Ratschläge, Erwartungen oder unausgesprochene Aufträge sein. 

-       Eine zweite Quelle liegt in persönlichen Erfahrungen. Glaubenssätze entstehen aus Situationen, die einen Menschen emotional sehr beansprucht haben. Als Erklärungsansätze versuchen Menschen in überfordernden Situationen, sich selbst zu schützen. Wer beispielsweise mehrfach betrogen wurde, schützt sich mit dem Glaubenssatz „Man kann keinem Menschen trauen.“ davor, erneut verletzt zu werden. 

Häufig denken wir an Glaubenssätze aus der frühen Kindheit, allerdings können sie zu jeder Zeit im Leben entwickelt werden. Auch Schule, Job, Erfahrungen in Vereinen oder Sprüche berühmter Persönlichkeiten stellen eine wichtige Quelle für Glaubensmuster dar.

 

Glaubenssätze und Werte – Die Logischen Ebenen nach R. Dilts

Glaubenssätze geben unserem Leben also so etwas wie einen roten Faden. Sie selbst werden wiederum durch unsere Werte beeinflusst. Werte sind übergeordnete Vorstellungen zu Fragen wie: „Was ist mir im Leben besonders wichtig? Was macht mein Leben lebenswert?“

Werte definieren sich in gewisser Weise durch unsere Glaubenssätze. Verändert ein Mensch einen seiner Glaubenssätze, so bleibt der darüber liegende Wert meist trotzdem stabil. Verändert ein Mensch allerdings seine grundlegenden Werte, kommt es häufig zu Konflikten mit bestehenden Glaubenssätzen.

Dass Glaubenssätze und Werte eng miteinander verbunden sind, zeigt das Modell der Dilts’schen Ebenen, in welchem die beiden Konstrukte auf einer Ebene zusammengefasst sind.

Das Modell basiert auf der Grundidee, dass Veränderung auf verschiedenen Ebenen erzielt werden kann. Die Ebenen bedingen sich dabei gegenseitig: Veränderungen auf einer Ebenen führen zu Veränderungen auf der nächst tieferen Ebene. Dies verdeutlicht die Bedeutung des Wissens über Werte und Glaubenssätze, um Veränderungen in Bezug auf das eigene Verhalten oder die eigenen Fähigkeiten zu erzielen. 

 

Arbeit an Glaubenssätzen – Welche Interventionen gibt es?

Werden limitierende Glaubenssätze im Coaching sichtbar, ist es Ziel, diese zu erkunden, zu hinterfragen und hin zu motivierenden, positiven Glaubenssätzen zu verändern.

Hier zeigen wir beispielhaft, wie wir als Coaches mit unseren Klient*innen an ihren vermeintlich negativen Glaubenssätzen arbeiten.

Schauen wir uns einen Beispiel-Glaubenssatz an:  
„Ich muss hart und viel arbeiten, damit ich es im Leben zu etwas bringe.“

-       ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Als Coaches interessieren wir uns für die Entstehungsgeschichte des Glaubenssatzes: Wann ist er zuerst aufgetreten? Wie hat es sich im Laufe der Zeit verändert? Wir erkunden gemeinsam mit dem/der Klient*in, welche nützlichen Schutzstrategien sich daraus abgeleitet haben. 

(z.B. „Durch den Glaubenssatz, den mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hat, muss ich mir keine Gedanken um die finanzielle Sicherheit meiner Familie machen.“)

 

-       ALLGEMEINGÜLTIGKEIT

Gemeinsam mit unseren Klient*innen spüren wir Erfahrungen auf, die den Glaubenssatz bestätigen und die ihn widerlegen. Wir suchen nach Ausnahmen, alternativen Verhaltensweisen in anderen Situationen und rütteln somit an der Allgemeingültigkeit des Satzes.         
(z.B. „Meine Familie ist mein wichtigstes Gut. Hier braucht es keine harte Arbeit, sondern in erster Linie Liebe und Zeit, um ein glückliches Familien-Beisammensein aufrecht zu erhalten.“)

 

-       VERÄNDERUNGSIMPULS

Wir suchen nach guten Gründen, warum es sinnvoll ist, den Glaubenssatz zu verändern. Mit welchen Emotionen (z.B. Schmerz/Frust) wurde der Glaubenssatz damals verbunden? Wofür lohnt es sich, neue Glaubenssätze zu finden, die zum Heute passen? 

(z.B. „Mich begeistert der Gedanke, mich als Mensch nicht auf meine Arbeit und meine Leistung reduzieren zu lassen. Ich muss nicht immer hart arbeiten, um es im Leben zu etwas zu bringen.“)

 

-       ALTERNATIVE STRATEGIEN

Als systemische Coaches finden wir alternative Strategien und stärkende Leitsätze für herausfordernde Situationen im Hier und Jetzt. Welche inneren Antreiber wären hilfreicher, sinnvoller, produktiver? Diese neuen, gesunden Glaubenssätze werden, wenn sie für den Klienten stimmig sind, geübt und verankert (z.B. mit Hilfe von Bildern, Metaphern, Visualisierungen), damit sie in belastenden Situationen auch wirklich als Ressource parat sind.

(z.B. Modifizierter Glaubenssatz: „Ich erlaube mir, viel und hart zu arbeiten, wenn es die Situation erfordert und ich einen persönlichen Mehrwert darin sehe.“; Neuer Glaubenssatz: „Arbeit darf auch mal leicht sein und Spaß machen.“)

 

-       VERSÖHNEN/ ANTESTEN 

An jedem Glaubenssatz hängen Emotionen und Gefühle – als Coaches wollen wir unseren Klient*innen ihre Glaubenssätze nicht einfach wegnehmen und zerreißen. Sie sind in erster Linie da, um uns zu schützen. Wir erkunden gemeinsam mit dem/der Klient*in die positive Absicht des Glaubenssatzes und würdigen seine Bedeutung zum damaligen Zeitpunkt. 

(z.B. „Der Glaubenssatz hat dazu geführt, dass ich immer einen guten Job gemacht habe und mir um meine finanzielle Situation keine Gedanken machen muss. Dafür bin ich dankbar.“)

Wir begleiten unsere Klient*innen dabei, Probe zu handeln: Was passiert, wenn wir den Glaubenssatz in manchen Situationen ausblenden? ... nur ab und zu herausholen oder bewusst aktivieren, wenn es um echte berufliche Meilensteine geht?

 

Hier ist ein gutes Gespür für den/die Klient*im gefragt. Wenn wir merken, der/die Klient*in ist noch nicht bereit, sich emotional von seinem/ihrem Glaubenssatz zu lösen, schaffen wir lediglich ein Bewusstsein für die positiven und hemmenden Wirkungen des Glaubenssatzes. Es geht darum, Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und neue Optionen auszuprobieren. 

 

Und was noch?

Abschließend stellen wir drei weitere Aspekte vor, die es aus unserer Sicht bei der Arbeit mit Glaubenssätzen zu beachten gilt.

-       Die Arbeit mit Glaubenssätzen braucht Zeit.

Glaubensmuster, die über Jahrzehnte gewachsen ist, lassen sich nicht in einer Coaching-Sitzung verändern. Wir geben unseren Klient*innen Zeit, sich von ihren Glaubenssätzen zu lösen und neue Handlungsmöglichkeiten zu verankern, immer mit der Option, auf den alten Glaubenssatz zurückzugreifen.

-       Die Arbeit mit Glaubenssätzen erfordert eine sensible Sprache.

Wir achten gut darauf, dass wir bei der Formulierung des Glaubenssatzes in der Sprache des/der Klient*in bleiben und dass unsere Coachees dem Glaubenssatz in seiner genauen Formulierung zustimmen kann.

-       Unsere Klient*innen sind die Expert*innen für ihre persönlichen Lösungen.

Jeder Glaubenssatz hat eine ganz persönliche Bedeutung für unsere Klient*innen. So individuell wie die Glaubenssätze sind, so sind es auch die Lösungen, die für den Einzelnen funktionieren. Wir sind stets offen für die Ideen, die unsere Klient*innen selbst für den Umgang mit ihren Glaubenssätzen haben.